Saintummers Projekte

Pioneer SM-83

ein 9 Röhren HiFi Stereo Verstärker in Gegentaktschaltung aus Japan Baujahr 1965-67.
Das Chassis ist ein solider Stahlrahmen, welcher das Eigengewicht des Verstärkers von 13 Kg sicher über vier Gummifüße auf die darunterliegende Tischplatte ableitet. Der Netztrafo und zwei etwas größere Ausgangstrafos sind hier mit hohen Eisenanteil an dem Gewicht beteiligt.

Pioneer SM-83
Leistungsaufnahme 100-165W bei 230V.
NF Leistung 2 x 28W Sinus
Eingänge: Phono-mag, Phono-ker, Tape-head, Tape-play, Mic, Aux, Tuner
Ausgänge: 2 x Stereo Lautsprecher, Kopfhörer
Frequenzbereich: 20-20000 Hz, Klirrfaktor <1% , Rauschabstand (mag Eingang) > 80dB
Röhrenbestückung 3 x 12AX7 (ECC83) 2 x 6AN8 und 4 x 7189A
Die 7189A wird mit einer wesentlich höhere Anodenspannung betrieben als eine EL84. Die Ähnlichkeit zur EL84 ist nur oberflächlich. Hier kann definitiv keine EL84 verwendet werden.
2 Siliziumdioden für die Anodenspannungsgleichrichtung, 1 Selen Gleichrichter für die Gleichstrom Heizung des Vorverstärkers. Auch wird damit eine Gittervorspannung von -17.5V gewonnen, welche den Arbeitspunkt der Endstufen festlegt.

Pioneer SM-83
Rückseite mit vielen Chinch Ein- und Ausgängen dazu eine DIN Buchse. Die Lautsprecher Klemmen sind etwas filigran. Dazu zwei Netzbuchsen in US Ausführung. Das Netzkabel war im Original 2 Polig, Schraubsicherung US-Größe, Schiebeschalter fur Kanal Tausch, 4 Ω - 16 Ω und Spannungswähler für 115V / 230V.

Notwendige Arbeiten
Das Gerät bekam ich zur Durchsicht, weil es eher schlecht als recht funktionierte. Brumm, Verzerrungen hörbar und Signalstärke der Kanäle ungleich.
• Arbeitspunkt Einstellung prüfen. Spannungsteiler 100K und 2K2 Wid Messpunkt "K" erneuern.
• Anodenspannung nach Gleichrichter nur 410V.
• Die Endstufen Röhren waren sehr ungleich in deren Leistung. Tausch der zwei Paare 7189A Röhren.
• Der Kondensator über den Netzschalter war explodiert. 50nF / 400V Suzuki.
• Der Mode Schalter hat schlechte Kontakte.
• Koppelkondensatoren überprüfen, besonders die von Suzuki.
• Elkos Tauschen, das Gerät ist über 55 Jahre alt.
• Schuko Netzkabel einbauen.
• Die neuen Bauteile sollen der originalen Bauform entsprechen. Radial vs. Axial etc. Keine Umverdrahtungen vornehmen. Betriebsspannungen und Spitzenspannungen im Betrieb beachten.

Materialbeschaffung
Die Becherelkos inkl. Schellen wurden von "Ask Jan first" besorgt.
2Stk. 100µF/550V 1Stk. 50+50µF/550V 1Stk. 20+20+20µF/550V

Zwei Paare, also 4Stk. 7189a Röhren von "Tubeampdoctor"

Axiale Kondensatoren und Axiale Elkos (zB: 22µF/450V) von "atr-shop"

Sonstige Bauteile von "Pollin" und "Reichelt"
Axiale Elkos, 1W Widerstände, Netzkabel


Chassis Oberseite Original
Pioneer SM-83
abgesehen von den 9 Röhren und den 3 Trafos sind hier 4 Becherelkos zu sehen. Diese Elkos werden durch Neuware, auch in Becherform, ersetzt. Das unmotivierte hineinsetzen von kleinen modernen radial Elkos in die Schaltung, wie es von Kollegen oft praktiziert wird, mache ich grundsätzlich nicht, um die ursprüngliche Verdrahtung zu erhalten.

Chassis Unterseite Original
Pioneer SM-83
Hier sind eine Menge Kondensatoren zu sehen, welche durch entsprechende Neuware ersetzt werden. Die schwarzen Drahtwiderstände sind gut dimensioniert und werden noch lange halten.

Chassis Oberseite Neu
Pioneer SM-83
Neue Becherelkos aktuelle Fertigung mit Schellenbefestigung. Da die Schellen der wesentlich schlankeren 100µF Elkos hier nicht passten, wurden aus Pertinax Befestigungsplatten gefertigt. Damit passen die vorhandenen Chassisbohrungen.

Chassis Unterseite Neu
Pioneer SM-83
Die meisten großen "Suzuki Oil Caps" waren defekt. Die kleineren Werte waren im besseren Zustand. Es wurden aber alle getauscht. Die Spannungsteiler Widerstände für die Gittervorspannung habe ich gemessen, waren OK, wurden aber aus Sicherheitsgründen getauscht. Widerstände welche ab gelötet werden mussten, wie bei den Becherelkos, wurden immer ersetzt.

Gleichrichter
Pioneer SM-83 Gleichrichter
Die dünnen Drähte der alten SE-05b Dioden haben beim Entlöten der Becherelkos gelitten, daher Tausch durch 1N5408 mit soliden Drähten.
Rechts am Chassis ist eine Selen Gleichrichterbrücke 12C-2 zu sehen. Hier wird die Heizspannung des Vorverstärkers gleichgerichtet und davon die Gittervorspannung -17.5V erzeugt.

Kondensatoren
Die "Suzuki Oil Caps" haben meist Leckströme und müssen erneuert werden. Der 20µF/400V Elna Elko ist mit nur 400V vom Hersteller her glatt unterdimensioniert, weil hier in der Aufheizphase die Spannung auf über 400V ansteigt und dann im Betrieb auf 360V zurückgeht. Hier wurde eine 450V Type neu eingebaut. Pioneer SM-83 Kondensatoren
Die kleinen keramischen Kondensatoren und die Styroflex Typen wurden nicht erneuert, diese Bauarten haben meist keine Probleme

Grounding
Beim Berühren des Gehäuses war immer ein "kribbeln" zu spüren, weil Pioneer hier von einer Phase des 2pol US Netzkabels, einen 2.2MΩ Widerstand zu Chassis GND geführt hat.
US Netzkabel und Adapter
Der US Stecker mit Adapter entspricht nicht einem sicheren Betrieb - daher wurde auf ein Schuko Netzkabel umgerüstet.
Geräte mit Metallgehäuse - auch HiFi Verstärker - müssen einen Schuko Netzanschluss haben, wenn sie nicht Schutz-isoliert sind. Vergleiche Schaltungen von HiFi Verstärkern US-Version vs. EUR-Version.

 

Pioneer SM-83 Grounding
Neues Netzkabel mit Zugentlastung eingebaut. Schutzerde auf GND mit Zahnscheibe verschraubt. Kontroll- Messung Schutzleiterkontakt am Stecker zu Chassis GND auf 0Ω überprüft.
Der Widerstand 2.2MΩ Phase zu GND wurde entfernt.
Der explodierte C53 50nf/400V wurde durch einen 68nF X2 Entstörkondensator ersetzt.

Kontaktfehler Mode Umschalter
Unmotivierte Knack- und Störgeräusche kommen noch vom Mode Umschalter. Dieser sieht sehr schlecht aus - Kontakte verbogen. Da wurde schon einiges herum gelötet. Hier müsste ein original Ersatzteil eingebaut werden. Ich habe den Schalter gebrückt, dass nur Stereo und Mono wirksam geschaltet werden kann. Pioneer SM-83 Mode Schalter
Rechts - Original ------- Links - 2 Drahtbrücken stellen nun die Kontaktgabe sicher.
Die anderen Positionen (Reverse, Nur A, Nur B, A+B) haben nun keine Funktion mehr.

Gittervorspanung
Nach etwas längerer Erwärmungsphase von 30 Minuten, wird mit dem Poti an der Unterseite am Messpunkt "K" die Gittervorspannung -17.5V eingestellt. Reagiert etwas träge. Damit sollte der Arbeitspunkt der Endstufe lt. Hersteller korrekt eingestellt sein. Anodenspannung am ersten Elko ist nun 445V. Anodenstrom OK. Die beiden 100K Widerstände und den 2K2 zum Gitter habe ich sicherheitshalber für beide Kanäle erneuert, da das eine wichtige Schaltungskomponente ist.
Ein guter Hinweis für die Qualität der verbauten Kohlewiderstände ist das Nachmessen dieser entnommenen Widerstände, deren Werte alle innerhalb der Toleranz liegen.
Da am Einschalter kaum zu Erkennen ist, ob das Gerät eingeschaltet ist, wurde die Kontroll Lampe sicherheitshalber erneuert.

Fazit
Schönes seltenes Gerät, welches von Gewicht und den Abmessungen NICHT in ein Ikea Billy Regal passt.
Von Klang war ich dann positiv überrascht. Jetzt lauft er in Ordnung. Im Leerlauf und bei Zimmerlautstärke nimmt er 100W auf. Da ich schon immer mit Röhren in meinem Elektronikleben zu tun hatte, ist das für mich ein normales Bauelement. Muss aber sagen, dass von diesem Gerät doch eine gewisse Faszination ausgeht der ich mich nicht entziehen konnte. Das Gerät ist von der Bauart her nicht zur Dauerberieselung sondern zum bewusst Musik Hören gedacht. Die Verarbeitung der Verdrahtung ist aufwändig und absolut mit Hand gemacht. Darum ist es wichtig den Charakter der Verdrahtung zu erhalten. Die Wärmeabstrahlung der Röhren ist fühlbar.

Pioneer SM-83


Weitere Informationen und Schaltung sind hier Pioneer SM-83 www.radiomuseum.org und hier
Pioneer SM-500 www.radiomuseum.org zu sehen. Der Unterschied SM-83 zu SM-500 ist nicht erkennbar, da die Schaltung für beide Typen gleich sind.

H.Stummer Dateidatum:08.04.2022

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